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Wie es uns gefällt

14.04.2017 11:47 Alter: 13 days
Kategorie: Flugberichte

Von: Roland Bieri

Wenn man auf einen guten Tag hofft und es noch besser wird...

Rückblick auf den Samstag, 8. April: die Toptherm-Prognosen sahen sehr gut aus, die Segelflugprognose eher weniger, das Emagramm - viel zu stabil. Was daraus geworden ist, zeigt der Bericht von Ivan. Ich konnte das Wetter etwas reifen lassen und hatte erst am Montag Zeit zum fliegen - hoffentlich nicht zu spät. Der Sonntag wurde ja seeehr gut. Die Toptherm-Langzeitprognose entwickelt sich für den Montag von "guter Thermik und ziemlich schauerig" in Richtung "gute Thermik und nicht mehr so schauerig". So sah es am Montag morgen aus:

 

 

Der Gradient ist traumhaft, die Feuchtigkeit etwas zu hoch, in der Höhe aber nicht so schlimm...

die Toptherm-Prognose könnte fast nicht besser sein. Grund genug, einen Versuch zu wagen. Ich rechne mit einem frühen Start und bin um 0945 bereit. Die ersten Cumuli kommen um 10 Uhr!

So sieht ein Abflug in meinen Träumen aus: erste kleine Fetzen, Basis 2500m/M, das um 10 Uhr 25

eine Stunde später, Col de la Forclaz, Basis bei Chamonix bereits auf 3200m

wieder eine Stunde später, Kreuzung des Modanetals über St.-Michel-de-Maurienne. Um 13 Uhr umrunde ich die geplante Wende Col de Granon nördlich von Briancon. Es folgt eine kleine Durststrecke über Bardonecchia - Col de Frejus (keine Wolken, heikles Gelände) - WR hat mir gezeigt, wie man es hier richtig gemacht hätte.

Der Lac du Mont Cenis, fast leer

Nach der Querung des Aostatales, kurz vor dem Theodulpass: der Berg der Berge (von hinten)

Im Wallis gibt es immer wieder kleine Überentwicklungen, die aber gut zu umfliegen sind. Dank der Nullgradgrenze auf 2800m und einer Flughöhe zwischen 2800 und 3900m wird das Flugzeug nur mit Eiskristallen bestäubt und nicht nass...

Um 1545 Uhr wende ich an der Furka und - das Wallis strahlt wieder in der Sonne - fliege nochmal nach Westen. Der Westwind ist auf dem ganzen Flug spürbar, meist sind es Turbulenzen, hinter dem Grand Muveran entwickelt sich sogar eine kleine Welle.

Die Gletscherwand des Mont Blanc, Wende um 17 Uhr 25 am Brevent

Beim Rückflug stellt mir eine Abdeckung den schönen Aufwind bei Argentiere ab, östlich von Bex strahlt die Sonne noch schön ein und auch die Windrichtung stimmt.Kurz vor 18 Uhr wird meine Zuversicht bestätigt: am Col de la Croix kann ich von 2250 mit durchschnittlich 2,5m/s(!) auf 3100m steigen und habe damit eine komfortable Endanflughöhe nach Bern.

Direkt nach Bern sind es 75km und ich habe gut 700m Reserve. Aber jetzt einfach zurückfliegen - nein, das wäre noch zu früh. Ich folge den tragenden Linien den Bergen entlang, geniesse die Aussicht. Noch ein Aufwind wird kreisend mitgenommen, danach folgt ein 100km langer Endanflug mit schönen Aussichten auf die Plaine Morte...

...den Öschinensee...

...und den Eiger. Ein perfekter Tag. Für mich gibt es noch einiges zu optimieren, das ist ja das schöne am Segelfliegen.