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Die Erwartungen übertroffen

11.04.2017 22:01 Alter: 133 days
Kategorie: Flugberichte

Von: Ivan Hausammann

Berufliches, privates, familiäres und fliegerisches unter einen Hut zu kriegen ist nicht immer einfach und erfordern eine filigrane Planung. Somit sind neben den eingeteilten Tagen als Fluglehrer auch meine "privaten Flugtage" bereits lange im Voraus im Kalender geplant. Eine Wetterprognose existiert zum Zeitpunkt der Planung natürlich noch nicht, zumindest nichts, was über "es ist ein Tag im Frühling, es könnte regnen, möglicherweise schneit es nochmals, vielleicht hat es auch Sonne" hinausgeht. Ergo: Ich muss dann nehmen, was kommt.

 So auch letzten Samstag 8.April. Die Wetterprognose tippt auf Sonne, allerdings ist Blauthermik vorhergesagt. Nicht gerade die lustigsten Bedingungen, aber wir sind ja am Beginn der Saison und äbe, wir nehmen was geboten wird.

Kurz vor Zwei Uhr geht es los; hinter der Dimona schleppe ich an den Gurnigel. Eine ausreichende Höhe ist heute notwendig, um über die leichte Inversion sowie die eher stabilere Grundschicht zu kommen. Mittlerweile zeichnen sich trotz Blauthermik kleine feuchte Fetzen an und zeigen, wo in der Atmosphäre Aktivität herrscht. Ich klinke in einem Schlauch und prüfe mal die Lage. Fritz Krebs kreuzt derweil - noch motorisiert und etwas höher - meinen Flugweg. 

 Die Thermik fühlt sich besser an als erwartet und lässt sich gut ausnutzen. Ein positives Zeichen. Ich folge Fritz und mache im Übergang Gurnigel - Simmental noch etwas Höhe. Mit Blick auf die Höhe und Zweisimmen schiebe ich meine Bedenken hinsichtlich des wolkenlosen Saanenlandes beiseite. Funktioniert gar nicht schlecht: Dort wo kein Schnee mehr liegt, stehen die Schläuche eigentlich +/- dort wo immer. Einfach ohne Wolke, somit suche ich teilweise etwas länger, bis ich wirklich im Zentrum bin.

Nun geht es Schlag auf Schlag: Nach Zwischenstops am Hundsrück und Eggli bin ich bereits auf über 3000m und es ist eine wahre Freude, wie die Post abgeht. Soll ich ins Wallis? Ich fliege in den Sanetschpass und drehe wieder um - was eine gewisse Durststrecke einleitet. Etwa doch nicht so gut, wie erwartet...?

Erst vor dem Lauenenhorn finde ich auf 2400 wieder einen Aufwind...der aber rassig auf 3200 führt. Nun quere ich hoch über dem Rawil auf die Walliser Seite und fliege das Wallis rauf. Fritz ist ca. 10km vor mir, einige wenige Wölkchen stehen, aber im grossen und ganzen ist es weiterhin ziemlich blau. Zu dieser Jahreszeit fliegt man auch etwas weiter im Tal, da die Thermik an der Schneegrenze abreist, und nicht nur über den Kreten wie im Sommer.  

Insgesamt hat es recht wenig Verkehr, ab und zu ein paar Gleitschirme, andere Segelflugzeuge ausser Fritz habe ich keines gesehen. Ganz anders der Verkehr in Sion: Im Raum Leukerbad will ich mich versichern, dass die TMA wirklich nicht aktiv ist...ich warte ca. 4 Minuten, bis ich endlich in eine Lücke reinsprechen kann.

Vorsichtig geht es weiter das Wallis hoch. Mittlerweile ist es 16:00, wir sind im Raum Belalp und Fritz kündigt an umzudrehen. Was jetzt? Auch umdrehen? Ich wäre eigentlich gerne über den Grimsel zurückgeflogen...aber die Schläuche sind irgendwie nicht mehr so rund, Fritz (der alte Hase!) kehrt um, es ist ziemlich blau und es hat wenig andere, welche möglicherweise als Aufwindindikator dienen können. Aber: Ich bin auf 3500 und es gibt eigentlich keinen rationalen Grund, warum ausgerechnet ab hier keine Thermik mehr sein soll: Die Sonne steht noch voll, es gibt keine Abschirmungen...dann mal süferli los. Alles klappt wie geplant, über Münster kann ich auf 3700 aufdrehen und somit ist die Geschichte gegessen. Ich kann schon vor dem Pass leiht eindrehen und hoch über den Grimselseen und über das Urbachtal Richtung Brienzer Rothorn fliegen. Hier sind die Wolken mittlerweile auch ausgeprägter, wobei ich knapp unter der Basis ankomme und die Aufwinde nicht weiter nutzen kann.

Der weitere Flugweg führt dann über Hohgant, Sigriswilergrat über den Thunersee zurück an den Gurnigel, wo ich - zu meinem erstaunen - auf ca. 1600 nochmals anschliessen kann. Ich kann nochmals rüber ins Simmental und Diemtigtal..und der Flug hätte wohl noch etwas verlängert werden können. Trotzdem geht's zurück nach Belp, wo ich nach gut 4 Stunden Flug kurz nach 18:00 lande.

Kurz und gut: Natürlich war es kein Rekordflug und im Vergleich der Flüge am Sonntag ein Kindergeburtstag. Aber trotzdem: meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

Anbei einige Impressionen, hauptsächlich aus dem Bereich Grimsel. Für die Berginteressierten auch mit einem Panorama der Gipfelnamen. Beim Thunersee ist die Inversion übrigens gut zu erkennen.

Segelfluggruppe Bern - Frühlingsflug Berner Oberland