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Saanenlager 2015: Ein Rückblick, ein Rücktritt und eine noble Geste

20.07.2015 22:53 Alter: 3 yrs
Kategorie: Flugberichte

Von: Ivan

Bereits ist das diesjährige, 68. Saanenlager der Segelfluggruppe Bern wieder Geschichte: Rund 45 Teilnehmende, davon 27 der SG Bern, profitierten von herrlichem Wetter, bester Stimmung und einem guten Weiterbildungsangebot.

Einige kritische Stimmen von meist erfahrenen Piloten sind der Meinung, dass das Saanenlager kein zeitgemässes Angebot mehr darstellt. Ich glaube, aus deren Perspektive des Streckenflugpiloten ist dieses Argument durchaus berechtigt: Modernes Flugmaterial ermöglicht dem trainierten Piloten, von Bern aus in 45 Minuten durch die Klinkräume von Saanen zu fliegen.

Jedoch: Saanen adressiert andere Mitglieder unseres Vereins: Jungflieger, welche konzentriert den Einstieg in die Alpenfliegerei erlernen wollen. Pilotinnen und Piloten, welche den Restriktionen des Berner Luftraums entfliegen möchten. Mitglieder, welche sich keine Segelflugferien im Ausland leisten können oder wollen und Familien, deren „Bodenpersonal“ von den Möglichkeiten einer tollen Feriendestination profitieren wollen. Für all diese, und auch alle anderen welche gerne kommen, organisiere ich auch im nächsten Jahr wieder das Lager:

Nun aber zum diesjährigen Bericht!

 

Die Flugzeuge aufgereiht zum Start

Wehende Fahnen auf dem Saanerhof signalisieren, dass die Thermik begonnen hat

Dani und Johannes prüfen den Duo

Die Jungpiloten Johannes, Tobias und Matthias. Letzterer prüft schon mal die Thermik – und ist auch sonst zügig unterwegs: Nach der ersten Lagerwoche fuhr Matthias kurz zurück nach Bern, absolvierte dort seine praktische Flugprüfung und kam anschliessend wieder zurück nach Saanen, um sich dort auf die Testate vorzubereiten. Auch an dieser Stelle: Herzliche Gratulation zur bestandenen Flugprüfung!

Reger Betrieb: Johannes im Schlepp in der ersten Schlaufe „Overhead“, während unten der zweite Schleppzug gerade die Sprachgrenze überfliegt.

Vor einigen Jahren hätte die Aufnahme wohl noch eine Reaktion des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements ausgelöst: Übersicht über den Flugplatz

Neben der Einführung in die Alpenfliegerei wurde mit dem Nachwuchs der Anschluss zwischen Saanenland und dem Gurnigel trainiert. Im Bereich Zweisimmen unterzieht Tobias hier das Vario einem ausführlichen Funktionstest im oberen Ausschlagebereich.

Die guten Bedingungen ermöglichten, mit den Jungfliegern sowohl die „Vormittagsvariante“ (via Leiternpass – Chemiflüeh – Jaunpass) als auch die Nachmittagsvariante (via Leiternpass – Niderhore – Spillgerten) auszuprobieren

Stefan Honegger besuchte uns in seinem wunderbaren Doppeldecker.

An der Spitze des Flugzeuges werkelt ein absolutes Schmuckstück

Auch Edi Inäbnit nutzte die guten Flugbedingungen und entführte Frau und Storch nach Saanen

Nicht nur die Jungpiloten kamen auf ihre Rechnung: Trotz oder gerade dank seiner fliegerischer Pensionierung geniesst Marc die Möglichkeit, sich durchs Berner Oberland fliegen zu lassen.

Das Wetter bot auch den Streckenfliegern eine gute Grundlage: An vielen Tagen wurde die Basis durch die Bürozeiten des Militärs diktiert – 3950m. Hier beim Einflug ins Lötschental Richtung Bietschorn. Sion Tower wie immer übrigens äusserst kooperativ – kein Problem, eine Durchflugfreigabe durch die TMA 3 zu erhalten. Wer sich übrigens jeweils denkt, dass da sowieso nichts anderes läuft: Sion hat einen relativ regen Betrieb an Business-Jets, welche über den Wegpunkt „ALETO“ (welcher ein bisschen hinter dem Bietschhorn liegt) in den Anflug über die TMA’s Sion einfädeln.

Die gesunde Basis erlaubte es, vom Eggishorn her gefahrlos Richtung Finsteraarhorn zu fliegen. Im Hintergrund die Lötschenlücke als Übergang ins Lötschental.

Das Jungfraujoch zu überfliegen ist nicht jeden Tag möglich – wäre aber problemlos machbar gewesen.

Wie Ameisen aus dem Bau quellt die asiatische Völkerwanderung aus dem Jungfraujoch. Man kann nur hoffen, dass die alpinistische Hochglanzautobahn zur Mönchsjochhütte nicht unvermittelt mal verschüttet wird – einige Eisbrocken (durchschnittliche Grösse: Einfamilienhaus) haben es schon mal in die Nähe geschafft.

Von hier kommen die Brocken: Abbruch auf der Südseite des Mönchs.

Zurück ins Berner Oberland: Es war kein eigentliches Wellenlager, wie in den andere Jahren – aber es bot sich doch die Möglichkeit, sich an den dynamischen Aufwinden zu versuchen. Hier bildete sich über dem Fermeltal ein kleiner Aufwind, welcher mit kleinen aber steten 1.5m/s daran arbeitete, dem Flugpersonal die Aussicht zu verbessern.

Nach dem Rückblick nun noch zum Rücktritt: Im diesjährigen Saanenlager beschloss Trene Burri, seine aktive fliegerische Karriere nach 60 (!) Saisons zu beenden. Ein durchaus emotionaler Moment für diejenigen, welche am Briefing seinen Worten zuhören konnten. Im Bild Trene gemeinsam mit René Ernst anlässlich des Lagerfestes.

Nach 68 Jahren ist es schwierig, Fotos aus dem Saanenlager zu zeigen, welche man bisher noch nicht gesehen hat – und eigentlich ist es genau umgekehrt: Spannender wäre es, Bilder aus den früheren Jahren zu sehen. Genau dies ermöglichte René Ernst anlässlich des Lagerfestes im Landhaus: Réne gab einen kurzen Rückblick über eines fliegerische Karriere und erzählte nicht nur über Flüge aus Saanen, sondern auch über die Wellenflüge in Minden (NV) oder die Zeit in Vinon. Mit im Handgepäck hatte René auch die Lagerbücher bis zurück in die ersten Lagerjahre, als die SG Bern noch ein Lager in Riggisberg durchführte. René hatte jedoch noch mehr im Gepäck: als Zeichen seiner Verbundenheit zur Segelfluggruppe Bern und dem Saanenlager, übergab René Ernst dem Präsidenten Christoph Schläppi einen Cheque über CHF 5000.— - und ermöglicht damit, dass der „Fonds René Ernst“ weiterhin den ersten Schlepp für erstmalig Teilnehmende sowie neu auch die Schleppkosten für erfolgreich ab Saanen geflogenen Testate übernimmt. Vielen herzlichen Dank, René