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Föhn vom 9. November 2014

10.11.2014 15:54 Alter: 4 yrs
Kategorie: Flugberichte

Von: Bieri

Die aktuellen Wetterwerte waren nicht sehr ermutigend: Druckdifferenz Süd - Nord 4hPa, Wind in Altdorf, Vaduz etc. variabel und schwach, in den höheren Stationen im Osten auch schwach. Einzig die Stationen im Wallis und auf dem Jungfraujoch zeigten "brauchbare" Wind-Werte. Optisch sah das Berner Oberland trotzdem vielversprechend aus:

ich stellte mir vor, unter diesen Bedingungen das Berner Oberland föhntechnisch erforschen zu können ohne grosse Ambitionen auf einen Streckenflug nach Osten.

Auch im Schlepp locken schöne Lentis...

Nach dem Klinken auf 2900m/M (!) folgt die Ernüchterung: die Niesenkette ist tot, erst kurz vor Adelboden ein schwaches Hangwindchen, das nicht zum Höhehalten reicht. Ein Rotörchen hebt mich 250m und lässt kurz Hoffnung aufkeimen. Dann ist der Spuk zu Ende und ich gleite talabwärts. Zuerst gaukelt mir der Rechner eine brauchbare Reserve für Thun vor, neben Reichenbach muss ich mich aber gegen das Weiterfliegen entscheiden. Nach 1 Std 10 Min. setze ich in Reichenbach auf. Küre und Stefan haben gerade kurz vor der Stratosphäre geklinkt und melden gutes Steigen. Rückschlepp von Reichenbach? Kari kommt mal in die Nähe.

Die saubere Landung beeindruckt die Anwesenden und ich werde begeistert von den Dorfschönen empfangen

Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass ich unkompliziert eine Rückschleppbewilligung erhalte und Kari, der gerade über den Platz fliegt, die Landung bewilligen kann. Das ist Effizienz! Nachdem mich Kari gnadenlos die Piste hinaufgehetzt hat (er im Schlepper und ich am Flügel des D8), darf ich kurz durchatmen und bin nach genau einer Stunde wieder in der Luft. Diesmal klinke ich über dem Albristhorn auf 3500m/M (die letzten Schleppminuten sind immer die günstigsten...)!

Der Einstieg ins Wellensystem funktioniert gut, wenn auch viele Wolken zum Teil die Sicht und den Weg versperren. Über den Col du Pillon hole ich Anlauf für den Flug nach Osten. Von Zürich Delta erhalte ich eine Freigabe "cleared from present position (Schilthorn) to the east, max. FL200". Transponder sei Dank! Die Wellen sehen lecker aus:

Die Jungfrau aus einer etwas anderen Perspektive...

die Welle des Jungfraumassivs ist kräftig (links unten der Eiger)

Bis nach dem Susten trägt die Welle, dann kommt das grosse Saufen. Die Querung des Reusstales kostet gut 1000m. Die Welle zum Klausenpass funktioniert perfekt: auf 3800m beginnt das Steigen und vor Linthal bin ich 1000m höher. Mein Plan ist, die Höhe für den Heimflug zu nutzen, denn in gut 2 Stunden beginnt die Nacht. Auf dem Rückweg über den Klausen nehme ich nochmals 1000m mit und erreiche die Maximalhöhe des Tages

 der aufmerksame Beobachter bemerkt sicher die grosse Differenz der Höhenanzeigen. Es ist in dieser Höhe schwierig festzustellen, welche Anzeige richtig ist. Im Bezug auf die Freigabe war für mich der Wert im Transponder massgebend.

Hier noch ein wenig Aussicht zum geniessen:

Blick über den Föhnstau nach Westen

auf der anderen Seite der Vierwaldstättersee

Die Landung erfolgt um 17:04, 32 Minuten vor Ende der bürgerlichen Dämmerung. Es ist schon kalt in dieser Höhe im November und viel länger hätte ich es nicht ausgehalten - trotz mehrschichtiger Kleidung und Sohlenheizung.

Der Föhn kann unseren Horizont erweitern. Streckenflüge im November sind etwas, das vor einigen Jahren noch der Südhalbkugel vorbehalten waren. Die Schlepps sind zwar lang aber immer noch günstiger als ein Flug nach Südafrika oder Australien...

Erfolgreiche Föhnflüge bedingen eine gute Vorbereitung. Wer daran interessiert ist, sollte sich Schritt für Schritt darauf vorbereiten. Der erste Schritt kann z.B. der Wellenflugabend am 19. November sein!