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Flug zum guten Wetter

12.07.2013 14:32 Alter: 5 yrs
Kategorie: Flugberichte

Von: Role Bieri

11. Juli 2013

 

Das Wetter präsentierte sich wieder einmal wie gewohnt in diesem Jahr: die hartnäckige Feuchte sorgte für eine tiefe Basis und schlechte Sicht in den Westalpen, der Jura besser, im Osten und in Deutschland Hammerwetter. Womit haben wir das verdient? Meine Hauptmotivation für das Streckenfliegen heisst: wer eine grosse Voliere hat, der erlebt häufiger gutes Flugwetter. Am 11. Juli hat sich das wieder einmal bestätigt. Das Toptherm versprach gutes Streckenwetter mit tiefer Basis um Berner Oberland und den unteren Wallis und bessere Bedingungen ab dem Goms nach Osten. Die Prognosen waren – wie jetzt schon häufig beobachtet – zutreffend.

Nach diversen Anlaufschwierigkeiten komme ich endlich um 11:36 in die Luft. Nach dem Klinken bietet das untere Simmental eine Basis um 2300m, an den Spillgerten 2600 und am Col du Pillon sind 2800m das Höchste der Gefühle. Genug um den Sanetsch zu überfliegen. Im Wallis steigt die Arbeitshöhe zwischen Montana und Brig von 2400m langsam auf 2600m. Am Eggishorn wird wie versprochen der Lohn ausbezahlt: ab jetzt sind die Wolken über 3300m und der Integrator zeigt regelmässig über 2m/s Steigen an. Die schönsten Wolken sind im Bedrettotal, so dass ich über den Nufenen ins Tessin quere. (Zwei redaktionelle Hinweise: erstens habe ich leider die Kamera vergessen und zweitens kann die igc-Datei im olc heruntergeladen werden.) Danach Vergnügen pur: lange Gleitflüge, zuverlässige Aufwinde mit 2 bis 3m/s und alles schön mit Cumuli markiert. Das Engadin setzt noch einen drauf, die Basis steigt auf über 4000m und im Schlauch des Tages am Lago di Livigno steige ich in gut drei Minuten von 3300 auf 4100m! Ich habe beschlossen, um 1530 Uhr umzudrehen.

 Der Wendepunkt ist das Stilfserjoch, hier das einzige Bild des Fluges (vom Handy). Der Aufstieg muss ein Traum für jeden Velofahrer sein…

Der Rückflug bis Wallis verläuft klassisch und in etwa auf der gleichen Linie zurück über den Nufenen. Dann folgt ein grosses Loch ohne brauchbare Aufwinde bis an den Gebidem östlich von Visp, wo ich ohne Zeitverlust von 2400 wieder auf über 3000m steigen kann. Es ist zwanzig vor sechs und das Mattertal lockt mit einer Basis um die 4000m. Also hänge ich noch einen Ausflug zum Gornergletscher an und wende kurz nach sechs Uhr vor dem kleinen Matterhorn. Südlich von Grächen steige ich auf 3750m und habe theoretisch etwa 500m Reserve für einen Endanflug nach Bern. Allerdings hat es auf im Berner Oberland ziemliche Staubewölkung, so dass noch nicht völlige Entspannung angesagt ist. Auf 3300m südlich der Gemmi muss ich erkennen, dass ein sicherer Durchflug nicht möglich ist; ich sehe nur Wolken vor und unter mir auf der Nordseite. Also Schwenker links und weiter Richtung Westen. Ein eindrücklicher Wolkenwasserfall von der Plaine Morte warnt mich vor einem Lee. Auch der Rawil ist geschlossen. Vom Sanetsch habe ich vor einigen Minuten von einem Piloten die Meldung erhalten, dass ein Überflug möglich ist und die Basis auf der Nordseite etwa auf 2400m. Mit sorgfältiger Routenwahl finde ich leicht tragende Linien und bin schliesslich vor dem Sanetsch auf 2450m. Den ersten Überflugsversuch muss ich abbrechen und fliege ohne grosse Hoffnung zurück zur Creta Besse. Mitten im Tal plötzlich das erste Geschenk: das Vario piepst so unerwartet los, dass ich es zuerst fast verpasse. Dann noch einmal volle Konzentration: ein einmetriges Aufwindchen hebt mich sanft, ich setze alle meine mentalen Kräfte ein und denke an 3000m. Auf 2700m ist dann doch fertig, aber die Ausgangslage für den Sanetschüberflug deutlich besser als beim ersten Mal. Es klappt. Theoretisch habe ich noch etwa zwei bis dreihundert Meter Reserve nach Bern aber die Windverhältnisse sind etwas tückisch. Ich rechne damit, um die Simmenfluh fliegen zu müssen, was mit Nordostwind unter 2000m üblicherweise mit Lee verbunden ist. Trotz ausnützen aller Aufwindfetzchen schwindet die Reserve dahin und Thun scheint immer mehr zu meinem Landeplatz zu werden. Über Diemtigen gibt es nochmal 200m und Bern kommt theoretisch wieder in den Gleitbereich. Am Niesen hat es Staubewölkung, die mir schliesslich auf knapp 2000m hilft und so den Heimflug sichert. Das Abenteuer geht nach genau 500 Flugminuten um 19:56 Uhr mit der Landung in Bern zu Ende.