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Weshalb fliegt es?

1. Wie wird ein Segelflugzeug in die Luft gebracht?

Auch beim Segelfliegen geht es nicht ganz ohne Auftrieb durch einen Motor. Es gibt drei verschiedene Arten, wie ein Segelflugzeug eine bestimmte Ausgangshöhe erreichen kann:

Flugzeugschlepp

Beim Flugzeugschleppstart zieht ein Motorflugzeug oder ein Motorsegler das Segelflugzeug an einem 30-50 Meter langen Seil hinter sich her. Das Segelflugzeug wird so bis auf die gewünschte Ausgangshöhe hinaufgezogen. Danach wird die benötigte Flughöhe mit Hilfe von Aufwinden erklommen.
Die Ausgangshöhe ist u. a. vom den Wetterverhältnissen und der Art des Fluges (Kunstflug, Streckenflug, Schulungsflug...) abhängig.
In unserer Segelfluggruppe ist diese Startart üblich. Geschleppt wird mit zwei Motorflugzeugen (Robin DR400) und einem Motorsegler (Super Dimona).

Windenstart

An einer Motorwinde, welche aus einem LKW- Motor gebaut wird, wird das Segelflugzeug in die Höhe gezogen. Je nach Länge des Seils und den meteorologischen Verhältnissen (u. a. Windstärke) kann dass Segelflugzeug eine Höhe von 200-600 Metern über Grund erlangen. Versuche mit neuartigen Kunststoffseilen haben Starthöhen bis 1600m und höher ergeben. Die Segelfluggruppe Bern verfügt über keine eigene Winde, da auf Grund der Platzverhältnisse und der Verkehrssituation des Flugplatzes ein dauernder Windenbetrieb nicht möglich ist.
Jeden Herbst ist die SG Bern über das Betttagwochenende jedoch bei einer befreundeten Segelfluggruppe zu Gast und führt Windenstarts durch. Wer also wissen möchte, wie es ist, in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, kann auch als Passagier dabei sein.

Eigenstart

Es gibt auch Segelflugzeuge, die einen Motor im Rumpf eingebaut haben und ohne fremde Hilfe starten können (nicht zu verwechseln mit einem TMG ( Touring Motor Glider). Dieser «Rucksackmotor» kann in den Rumpf eingeklappt werden und ist danach von aussen nicht mehr sichtbar.
Wäre eine Aussenlandung notwendig, kann dieser Motor ausgefahren (aus dem «Rucksack» geholt) und wieder Höhe gewonnen werden. Im Fliegerlatein spricht man dann von «Flüssigthermik», da mit Hilfe des Motors, welcher Benzin verbraucht, Höhe gewonnen wird. In den lezten Jahren sind Elektroantriebe für verschiedene Flugzeugtypen entwickelt worden, die sich gut bewähren. In unserer Segelfluggruppe gibt es mehrere Piloten/Pilotinnen, welche ein eigenstartfähiges Segelflugzeug besitzen.

 

2. Wie kann sich ein Segelflugzeug ohne Motor über längere Zeit in der Luft halten?

Das Prinzip des Segelfluges ist eigentlich etwas, das fast alle kennen: Viele haben schon Ihre Erfahrungen mit einfachen Papierfliegern gemacht. Im mehr oder weniger steilen Gleitflug kann jedes Fluggerät ohne Motor fliegen. Dies gilt für einen Jumbojet genau so wie für einen Militärjet. Um aber wieder an Höhe zu gewinnen und damit länger und weiter fliegen zu können, macht sich der Segelflieger/die Segelfliegerin die Natur zu Nutzen. Wenn die Sonneneinstrahlung den Boden erwärmt, bilden sich am Boden Warmluftblasen, die dann von Zeit zu Zeit aufsteigen. Diese vertikalen Luftbewegungen nennt man thermische Aufwinde oder Thermik. In der Thermik kreist der Segelflieger nach dem Vorbild der Vögel und lässt sich nach oben tragen. Die gewonnene Höhe wird danach beim Geradeausfliegen in Strecke umgesetzt.

 

3. Wie findet man Thermik?

Die Thermik an sich kann man von blossem Auge nicht sehen. Es gibt jedoch diverse optische Anzeichen, wo Thermik zu finden ist. Das wohl Bekannteste ist die Schönwetter- oder Cumuluswolke. Sie entsteht, indem die warme Luft aufsteigt, sich langsam abkühlt und dadurch das darin enthaltene Wasser kondensiert. Es gibt aber auch Wetterlagen, bei denen sich keine oder kaum Wolken bilden. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend, dass es keine Thermik hat. Bilden sich keine Wolken, muss man nach Bodenmerkmalen suchen, welche Thermik erzeugen könnten (steile Felswände, Kiesgruben, grosse Lagerhallen etc.). Man spricht dann von sog. Blauthermik.

 

4. Was tut man, wenn man keine Aufwinde mehr findet? Stürzt man dann ab?

Nein! Das Flugzeug fliegt immer noch, es gleitet nur kontinuierlich dem Boden entgegen. Deshalb begibt man sich zuerst in Reichweite eines Flugplatzes und sucht weiter nach Aufwind. Bleibt die Suche erfolglos, gleitet man die restliche Höhe ab und landet auf dem Flugplatz.

Was tut man, wenn man keinen Flugplatz mehr erreichen kann?
Wenn man weit von einem Flugplatz entfernt ist bzw. zu niedrig ist, um einen zu erreichen und dort zu landen, sucht man eine zum Landen geeignete Wiese oder ein geeignetes Feld (sog. "Aussenlandung" oder "aller aux vaches"). Dies geschieht des öfteren bei Wettbewerbsflügen und ist etwas völlig Normales. Die Landeorte werden sorgfältig ausgesucht und man landet genau gleich wie auf einem Flugplatz. Der einzige Unterschied besteht darin, dass nach der Landung das Segelflugzeug demontiert, in einen Anhänger verladen und wieder zum Heimflugplatz zurückgebracht werden muss.

Wird man vom Wind irgendwo hingeblasen/hingetrieben wie ein Ballon?
Nein, Segelflugzeuge sind aktiv steuerbar.

 

5. Wird ein Segelflugzeug vom Wind angetrieben?

Heute besteht Segelfliegen zu 80% aus Thermikflug. Mit Ausnahme des Hang- und Wellensegelfluges ist zu starker Wind unerwünscht. Der Wind zerreisst die Thermik und macht sie dadurch für den Segelflieger schlechter ausfliegbar.

 

6. Wie lange dauert ein Flug? Wie lange kann man oben bleiben?

Die Dauer des Fluges hängt massgeblich von den meteorologischen Verhältnissen ab. Rein theoretisch ist es aber möglich, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu segeln.

 

7. Wann kann man Überhaupt Segelfliegen? (Winter/Sommer)

Theoretisch kann man das ganze Jahr hindurch Segelfliegen, wenn die meteorologinschen Bedingungen dies ermöglichen und einem (gerade im Winter) die Kälte nicht viel ausmacht. Während des Winters ist die Thermik meist jedoch zu schwach, um von Segelfliegern genutzt werden zu können. Deshalb stellen die meisten Segelfluggruppen ihren Flugbetrieb während des Winters ein. Die Pause wird zur Wartung der Gruppenflugzeuge und zur Vorbereitung auf die neue Saison genutzt.

Welche Tageszeit ist am bestens für das Segelfliegen?
Die günstigste Zeit zum Fliegen hängt von den aktuellen meteorologischen Bedingungen und der Jahreszeit ab. Schulungsflüge z. B. sind bei fast jeder Witterung und ganztags möglich. Streckenflüge werden meist erst vor dem Mittag begonnen, sobald die Sonne den Boden erwärmt hat und die Thermik einsetzt. Gerade im Hochsommer ist die Thermik aber bis am späteren Nachmittag/frühen Abend noch sehr aktiv.

Kann man in der Nacht Segelfliegen?
Theoretisch ja. Segelfliegen bei Nacht hat jedoch einige Tücken und Herausforderungen. Unter anderem wird die Orientierung für Ungeübte sehr schwierig, da ein Horizont als Orientierungshilfe nicht mehr erkennbar ist. Dies führt schnell zu Sinnestäuschungen. Meist ist auch die instrumentale Ausrüstung der Segelflugzeuge ungenügend um bei Nacht ein sicheres Fliegen zu ermöglichen.

 

8. Viele sagen, dass es in einem Segelflugzeug sehr ruhig ist, andere sagen aber wiederum, dass der Wind sehr laut rauscht. Was trifft zu?

Sicherlich ist die Geräuschkulisse in einer Rhönlerche (ein altes Schulungsflugzeug mit Stoffbespannung) nicht mit der eines modernen Kunststoffsegelflugzeuges zu vergleichen. Trotzdem ist es in einem Segelflugzeug sehr ruhig.

 

Womit wird geflogen?

9. Wie ist ein Segelflugzeug aufgebaut?

Ursprünglich wurden Segelflugzeuge aus Holz, Stahlrohr und Leinenstoff gebaut. Heute verwendet man Glas- und Kohlefaserverbundwerkstoffe. Dies ermöglicht den Bau idealer Formen und spiegelglatter Oberflächen. Dadurch konnte der Luftwiderstand im Laufe der Zeit beträchtlich gesenkt und somit die Leistungen der Segelflugzeuge massiv erhöht werden.

 

10. Was für Segelflugzeugarten gibt es?

Nebst den Segelflugzeugen, in denen nur ein Pilot Platz findet, gibt es auch Doppelsitzer. Wie der Name sagt bieten diese Flugzeuge zwei Personen Platz, die normalerweise hintereinander sitzen (Tandem). Solche Flugzeuge werden nicht nur für Ausbildungs- und Passagierflüge verwendet, sondern auch für Trainings- und Wettbewerbsflüge.

Manche Segelflugzeuge haben ein fixes Hauptrad, andere wiederum können dieses einfahren. Ältere Flugzeuge haben zum Teil kein Rad sondern nur eine Kufe. Gebremst wird bei diesen, indem man das Flugzeug "auf die Nase stellt" und so Reibungswiderstand erzeugt.

Segelflugzeuge werden zudem nach vier verschiedenen FAI-Klassen (Fédération Aéronautique Internationale) unterschieden. Diese Unterscheidung ist für Segelflugwettbewerbe massgebend.

Standard-Klasse
- Spannweite max. 15 m.
- Max. Abfluggewicht 525 kg.
- Keine Auftriebshilfen (Wölbklappen etc.) zulässig.

15 m-Klasse

- Spannweite max. 15 m.
- Max. Abfluggewicht 525 kg.
- Auftriebshilfen erlaubt.

Als Auftriebshilfen sind nur Wölbklappen erlaubt. Wölbklappen ermöglichen eine Anpassung des Flügelprofils an die jeweilige Fluggeschwindigkeit. Bei hohen Geschwindigkeiten wird die Wölbung des Flügelprofils verringert, im Langsamflug - z. B. beim Steigen im Kreisflug - vergrössert. Die max. Wölbung wird für eine min. Anfluggeschwindigkeit zur Landung eingestellt.

18m-Klasse

- Spannweite max. 18 m.
- Max. Abfluggewicht 600 kg.
- Auftriebshilfen erlaubt.

Offene-Klasse
Alle restlichen Flugzeuge. In der offenen Klasse gibt es keine Einschränkungen. Die einzige Bedingung ist, dass ein Abfluggewicht von 750 kg nicht überschritten wird.

 

11. Wie schnell fliegt ein Segelflugzeug?

Moderne Kunststoffsegelflugzeuge haben einen Geschwindigkeitsbereich von ca. 70 bis 280 km/h. Dieser Bereich ist jedoch von Flugzeug zu Flugzeug unterschiedlich, da jedes Flugzeug ein anderes aerodynamisches Verhalten hat.
Die Geschwindigkeit im Geradeausflug liegt normalerweise zwischen 100 und 160 km/h, beim Landeanflug beträgt sie durchschnittlich 90 km/h.

 

12. Wie viele Personen passen in ein Flugzeug?

Es gibt ein- und zweisitzige Segelflugzeuge.

 

13. Hat man beim Fliegen einen Fallschirm dabei?

In der Schweiz herrscht für Segelflieger keine Fallschirmtragepflicht. Es ist jedoch ein ungeschriebenes Gesetz, seiner eigenen Sicherheit zu liebe bei jedem Flug einen Fallschirm zu tragen.

 

14. Kann man mit einem Segelflugzeug auch Kunstflug machen?

Die meisten Segelflugzeuge sind für den einfachen Kunstflug zugelassen. Dies sind etwa Figuren wie Trudeln, Turn oder ein Looping nach oben. Für den erweiterten Kunstflug (Rolle, Rückenflug etc.) sind nur wenige Flugzeuge zugelassen. Die SG Bern besitzt zwei ASK-21, die für die erweiterte Akro zugelassen sind.
Doch auch der Kunstflug will gelernt sein und so müssen die Piloten eine spezielle Kunstflugprüfung bestehen bevor sie ungestört am Himmel herumturnen dürfen.

 

15. Was für Instrumente sind in einem Segelflugcockpit?

Die minimale Ausrüstung ist ein Höhen- und ein Geschwindigkeitsmesser. Variometer, Funkgerät, Kompass und Libelle (Stahlkugel in einem gekrümmten Glas, ähnlich der Luftblase bei der Wasserwaage) gehören jedoch fast in jedem Flugzeug zur Standardausrüstung. Sauerstoffanlage, Endanflugrechner, Wendezeiger , "Flight Recorder" (Logger) und Horizont findet man jedoch auch sehr oft.
Nicht zu vergessen ist das "Fädeli", ein Wollfaden, der aussen auf dem Capot befestigt wird und anzeigt, ob man im Scheinlot fliegt (eine einfache aber sehr empfindsame Version der Libelle).

 

16. Wie navigiert man ein Segelflugzeug? Nach Sicht? Mit Instrumenten?

Segelflugzeuge werden zum überwiegenden Teil nach Sicht navigiert. Schliesslich befinden sich die Thermikquellen nur in Ausnahmefällen auf der direkten Verbindung zwischen zwei Wegpunkten. Funknavigation z. B. kennt man beim Segelfliegen nicht. Die Navigation mit GPS-Unterstützung gewinnt jedoch rasant an Bedeutung.

 

Wohin fliegt man?

17. Wie werden grössere Strecken zurückgelegt?

Die durch Aufwinde gewonnene Höhe wird im Gleitflug abgegleitet. Wenn die Höhe schrumpft, sucht man eine neue Aufwindquelle und erarbeitet sich wieder Höhe, welche danach wiederum in Strecke umgesetzt wird. Nach diesem Prinzip können je nach Wetter und Können des Piloten beträchtliche Distanzen zurückgelegt werden.

 

18. Wie weit kann man mit einem Segelflugzeug fliegen?

Der Deutsche Klaus Ohlmann und sein österreichischer Copilot Karl Rabeder haben über den argentinischen Anden erst vor kurzem einen Weltrekord aufgestellt, den noch vor ein paar Jahren niemand für möglich gehalten hätte: Mit einem Hochleistungsdoppelsitzer flogen die beiden in einem Zielrückkehrflug mit drei Wendepunkten insgesamt eine Strecke von 3'009 km und haben somit als erste in der Geschichte des Segelfluges die magische Grenze von 3'000 km überschritten. Siehe auch "WIE WEIT: Wettbewerbe / Rekorde".

 

19. Wohin fliegen die Piloten/Pilotinnen ab Bern?

Anfänger: Im Platzbereich, Voralpen/Gurnigel
Fortgeschrittene: Simmental, Mittelland, Jura, Alpen
Cracks: ganze Schweiz, nahes Ausland (F, I, A, D)

 

Warum?

20. Ist Segelfliegen gefährlich?

"Das gefährlichste am Segelfliegen ist die Fahrt zum Flugplatz." Dieser Satz stimmt sicherlich nicht. Nüchtern besehen zählt die Fliegerei zu den Risikosportarten. Dieses Risiko ist aber stark davon abhängig, wie verantwortungsvoll sich der einzelne Pilot verhält. Denn "menschliches Versagen" ist praktisch die einzige Unfallursache.
Wie beim Bergsteigen und Tauchen (aber auch beim Auto- oder Velofahren) hängt die Harmlosigkeit oder Gefährlichkeit vom Sportler ab. Durch Einhalten der Vorschriften, kontinuierliches Training, regelmässige Checkflüge, ständige Weiterbildung, korrektes und diszipliniertes Verhalten etc. ist es jedoch möglich, das Risiko in Grenzen zu halten.

 

21. Hat man beim Segelfliegen Platzangst?

Gerade in einsitzigen Flugzeugen kann es sehr gut sein, dass der Pilot/ die Pilotin keine grosse Bewegungsfreiheit hat. Wer aber in einem Segelflugzeug Platzangst bekommt, wird kaum in der Lage sein, dieses sicher zu fliegen.

 

22. Hat man dort oben nicht kalt?

Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille sind sowieso immer Pflicht, denn die Intensität der Sonneneinstrahlung nimmt mit abnehmender Temperatur nicht ab.
Segelflugzeuge haben keine Heizung wie die meisten Motorflugzeuge dies haben. Deshalb ist die Kleidung bei Flügen in grösseren Höhen (z. B. in den Alpen) ein sehr wichtiges Thema.
Gerade im Frühling und im Herbst wird es in der Höhe schnell einmal etwas kühl. Deshalb ist es wichtig, sich zu jeder Jahreszeit richtig zu kleiden. Auch wenn es im Sommer am Boden heiss ist! Herrschen z. B. am Boden angenehme 25°C, können es auf 2500 mM nur noch 8-10°C sein. Dass für Flüge in die Alpen kurze Hosen als Beinbekleidung somit nicht geeignet sind, ist wohl einleuchtend. Um sich vor kalten Füssen in grösserer Höhe zu schützen, gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten: Manche rüsten sich mit Moonboots aus, andere schwören auf beheizbare Schuheinlagen, einigen genügen mehrere warme Socken.

 

Wer?

23. Ist Fliegen ein Männersport? Wieso gibt es mehr Männer als Frauen, die Segelfliegen?

Frauen sind in der Fliegerei zahlenmässig in der Minderheit, aber deshalb ist Fliegen noch lange kein reiner Männersport!
Entgegen gewissen Gerüchten braucht es keine überdurchschnittliche physische Kraft zum Segelfliegen. Im Gegenteil: Fliegen erfordert viel Feingefühl. Wieso aber mehr Männer als Frauen fliegen, weiss niemand so genau.

Die Segelflugpilotinnen der Schweiz haben sich zum "Verein der Schweizer Segelfliegerinnen" (auch liebevoll "Die Hexen" genannt) zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu unterstützen und Talente zu fördern. Einfach mal reinschauen! www.segelfliegerinnen.ch

 

24. Sind Flieger leichtsinnige Draufgänger?

Waghalsigkeit, Draufgängertum und Leichtsinnigkeit sind Eigenschaften, die im Flugsport nicht gesucht sind. Denn durch solches Verhalten gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Luftraumbenützer und unbeteiligte Drittpersonen!

 

25. Gibt es bestimmte Voraussetzungen, um fliegen zu können?

Um die Ausbildung beginnen zu können, benötigt man ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis und einen Auszug aus dem Strafregister. Letzteres, weil ein guter Leumund verlangt wird.
Um medizinisch tauglich zu sein, sollte man über eine gute körperliche Fitness verfügen (und "gesund" sein bzw. keine schwerwiegenden Krankheiten haben).
Man muss auch weder ein Genie in Physik und Mathematik noch überdurchschnittlich technisch begabt sein, um das Fliegen zu erlernen.

Ab welchem Alter darf man fliegen?
Ab 15 Jahren kann man einen Lernflugausweis beantragen. Die praktische amtliche Prüfung kann jedoch erst mit 16 Jahren gemacht werden.

Gibt es Altersgrenzen?
Der Segelflugausweis gilt immer für zwei Jahre und wird auf Antrag ohne weiteres verlängert, wenn man die erforderlichen Mindestflugleistungen erbracht hat.

 

26. Macht eine Brille fluguntauglich?

Nein, sofern die Korrektur nicht allzu stark ist. In den meisten Fällen wird im Flugschein vermerkt, dass man beim Fliegen eine Brille tragen muss. 

 

Wie?

27. Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Unser Ausbildungsprogramm im Segelflug ist auf die Bestimmungen des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) und die Normen der ICAO (International Civil Aviation Organization) abgestimmt.

Grundlagen:
Steuern des Flugzeugs, Orientierung aus der Luft, Koordination von Fluglagen und Kurven.
A) Platzrundentraining:
Flugzeugschlepp, Kurvenflug, Luftraumüberwachung, Landeeinteilung und Landung.
B) Besondere Flugsituationen:
Grenzsituationen (Verhalten in Notfällen wie Abkippen, Seilriss), extreme Schleppfluglagen, erster Alleinflug.

Erweiterte Ausbildung:
Regelmässige Flüge mit präzisen Landungen, Umschulung auf einsitziges Trainigsflugzeug, Montage und Demontage des Trainingsflugzeuges.
Thermik-, Hang- und Wellenflug, erste längere Soloflüge, 1 Streckenflug am Doppelsteuer (ausserhalb Gleitbereich des Heimflugplatzes).

Prüfungsvorbereitung:
"Letzter Schliff" und praktische Prüfung (die theoretische Prüfung muss vor der praktischen Prüfung abgelegt werden, normalerweise während der Ausbildung).

 

28. Wie lange dauert die Ausbildung?

Dies ist hauptsächlich vom Flugschüler abhängig. Nebst dem fliegerischen Talent spielt es auch eine Rolle, wie regelmässig am Schulungsunterricht teilgenommen wird. Normalerweise dauert die Ausbildung eine bis zwei Saisons.

 

29. Wie lange dauert es, bis man alleine fliegen darf?

Auch dies ist wieder von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Es gibt eine gewisse Grundausbildung, die man absolviert haben muss, bevor man alleine fliegen darf. Der Zeitpunkt, wann man sich sicher genug fühlt, um zu seinem ersten Solostart abzuheben und auch der Fluglehrer dieser Meinung ist, kann nach wenigen Wochen oder erst nach mehreren Monaten sein.

 

30. Wie viel kostet die Ausbildung?

Die Kosten für die Ausbildung sind natürlich von deren Dauer abhängig. Im Durchschnitt rechnet man mit ca. CHF 8'000-10'000 bis zur amtlichen Prüfung. (Stand 2010)

 

Details zur Ausbildung siehe unter Ausbildung!

 

Wie viel?

31. Ist Segelfliegen teuer?

Segelfliegen gehört sicherlich nicht zu den billigsten Hobbys. Die Kosten sind in etwa gleich hoch, wie wenn man Squash oder Tennis spielt, Ski führt, surft oder taucht. Da in einem Segelflugverein die Ausbildner (Fluglehrer/in) ehrenamtlich arbeiten, halten sich auch die Ausbildungs- und Flugkosten in Grenzen. Natürlich hängt der finanzielle Aufwand davon ab, wie oft man fliegt. Denn neben dem Jahresbeitrag fallen auch die Kosten für die Flugminuten der Schleppmaschine an. Das einzige, was wirklich "ins Gewicht" fällt, ist der zeitliche Aufwand, der relativ gross ist (Das Flugzeug bereitstellen, kontrollieren, reinigen, hangarieren, gegenseitige Starthilfe, usw.).
Schlussendlich ist Segelfliegen aber eigentlich für jeden erschwinglich und man findet in einer Segelfluggruppe neben Berufstätigen sämtlicher Branchen auch Schüler und Studenten.

 

Wieviel kostet eine Segelflug-Saison?

Je nach dem wie viel geflogen wird. Für eine Pilotin/einen Piloten mit durchschnittlichem Engagement kostet eine Segelflug-Saison (März bis November) ca. CHF 2'000-3'000. (Stand 2010)

 

Wieviel kostet ein Segelflugzeug?

Ein neues Segelflugzeug kostet CHF 100'000 und mehr.

 

Wo?

32. Brauche ich ein eigenes Segelflugzeug?

Nein. Wer in einem Segelfluggruppe fliegt, kann den Flugzeugpark der Gruppe benutzen. Je nach Ausbildungsstand stehen dem Piloten/der Pilotin unterschiedliche Flugzeuge zur Verfügung, deren Handhabung man durch eine Umschulung oder Einweisung erlernt.

 

33. Muss ich einem Verein beitreten?

Im Prinzip nein, normalerweise jedoch schon. Wer sich ein eigenes Flugzeug leisten und die Lande- und Schlepptarife für Gäste bezahlen kann oder sich bei einer Flugschule ein Segelflugzeug mietet, muss theoretisch keinem Verein beitreten. Die Mitgliedschaft in einem Verein hat aber unzählige Vorteile: grosse Auswahl an Flugzeugtypen, gegenseitige Unterstützung und Förderung, Kameradschaft, viel geringerer Kostenaufwand, div. Vereinsanlässe usw. Der grössere Zeitaufwand als "Nachteil" fällt somit nicht gross ins Gewicht.

 

Wie weit?

34. Gibt es auch Segelflugwettbewerbe?

Ja, es gibt Streckenflug- und Kunstflugwettbewerbe.

Streckenflugwettbewerbe
Ein Wettbewerbsflug unterscheidet sich wesentlich von einem "normalen" Segelflug: Hier bestimmt die Wettkampfleitung, welche Wendepunkte von den Piloten nacheinander anzufliegen sind. Bei diesen Punkten kann es sich z. B. um markante Gebäude, Staumauern oder Passhöhen handeln. Je nach erwartetem Wetter können die Wendepunkte so gewählt sein, dass gesamthaft Distanzen von mehreren hundert Kilometern zurückzulegen sind.
Die präzise Navigation der Piloten und die Aufzeichnung der Flugdaten erfolgen mit GPS-Unterstützung, die Auswertung der Flüge mit modernster Software am PC.

Da die Eckpunkte des Fluges genau definiert sind, besteht die Herausforderung darin, den konkreten Flugweg und den Zeitpunkt des Starts so zu wählen, dass die Strecke möglichst schnell abgeflogen werden kann. Viele Flüge dauern mehrere Stunden und schlussendlich entscheiden wenige Kilometer oder wenige Minuten oder Sekunden über Sieg oder Niederlage. Gefordert sind also nicht nur mentale Stärke, taktisches Geschick, gute Kenntnisse der Meteorologie, fliegerisches Können und Kondition. Manchmal braucht's einfach auch "ds richtige Gschpüri" (Intiution für den "richtigen" Weg). Ein Segelflugwettbewerb dauert meistens über 5 bis 10 Tage bzw. Flüge.

A) Geschwindigkeitsaufgaben
Geschwindigkeitsaufgaben führen von einem Abflugpunkt über ein oder mehrere Wendepunkte zu einem Zielpunkt. Ziel ist somit, eine vorgegebene Strecke möglichst schnell abzufliegen.

B) Distanzaufgaben
Distanzaufgaben führen von einem Abflugpunkt (manchmal aus mehreren selbst auswählbar) über mehrere wählbare Wendepunkte zu einem Zielpunkt. Ziel ist somit, während einer vorgegeben Zeitspanne, eine möglichst grosse Distanz zurückzulegen.

Kunstflugwettbewerbe
Kunstflugwettbewerbe werden in drei Leistungskategorien durchgeführt. Wer noch nicht so viel Erfahrung und ein kleines Figurenrepertoire hat, kommt in die Kategorie "Espoirs". Mit zunehmender Erfahrung wechselt man dann zu "Promotion" und schliesslich zur Kategorie "Elite".
Im Normalfall sind mindestens 3 Flüge, bestehend aus den Programmen Pflicht, unbekannte Pflicht und Kür, zu fliegen. Die Figuren müssen innerhalb einer so genannten "Box", einem Würfel von 1 km Seitenlänge, stattfinden. Aus Sicherheitsgründen beträgt die Ausgangshöhe 1300 m über Grund und die Piloten müssen ihr Programm auf 300 m über Grund abbrechen.
Analog zu Kunstturn- oder Eiskunstlaufwettbewerben beurteilt eine Jury die Flüge auf einer Skala von 1 bis 10. Detaillierte Informationen sind unter www.sagach.ch zu finden.

 

35. Was für Segelflugrekorde gibt es?

Die Rekorde werden im Segelflug in drei verschiedene Bereiche unterteilt: Strecken-, Geschwindigkeits- und Höhenrekorde in den Kategorien generelle Rekorde und Damenrekorde. (Stand 2010). Zusätzlich wird unterschieden in zwei Klassen, 15 Meter Spannweite und grösser als 15 Meter.

Aus Platzgründen führen wir die Rekordekategorien nur auszugsweise auf. Wer mehr über die unterschiedllichen Kategorien und Leistungen wissen möchte, findet unter www.fai.org/gliding/ oder http://records.fai.org/gliding/#current weitere Informationen dazu. CH-Information unter www.aeroclub.ch oder www.segelfliegen.ch

 

Generelle Streckenrekorde

Freie Strecke: 2'192.9 km
Datum des Fluges: 4. 12. 2004
Pilot: Terrence Raymond DELORE (Neuseeland)
Besatzung: Steve FOSSETT (USA)
Startort/Wendepunkte: El Calafate (Argentinien)

Freie Strecke über max. 3 Wendepunkte: 3'009 km
Datum des Fluges: 21. 1. 2003
Pilot: Klaus OHLMANN (Deutschland)
Startort: Chapelco, Flughafen San Martin de los Andes (Argentinien)

 

Generelle Geschwindigkeitsrekorde

Geschwindigkeit über 100 km Dreieckstrecke: 234.95 km/h
Datum des Fluges: 18. 12. 2006
Pilot: Klaus OHLMANN (Deutschland)
Besatzung: Esteban FECHINO (Argentinien)
Startort: Zapala (Argentinien)

 

Generelle Höhenrekorde

Höhengewinn: 12'894 m
Datum des Fluges: 25. 02. 1961
Pilot: Paul F. BIKLE (USA)
Startort: Fox Airport, Lancaster, CA (USA)

Absolute Höhe: 15'460 m
Datum des Fluges: 29. 8. 2006
Pilot: Steve FOSSETT (USA)
Besatzung: Einar ENEVOLDSON (USA)
Startort: El Calafate (Argentinien)

 

Damen Streckenrekorde

Freie Strecke: 1'078.2 km
Datum des Fluges: 05.01.2003
Pilotin: Pamela KURSTJENS-HAWKINS (UK)
Startort: Kingaroy Airfield (Australia) - Lockhart (Australia)

Freie Strecke über max. 3 Wendepunkte: 1 851.6 km
Datum des Fluges: 25. 11. 2005
Pilotin: Ghislaine FACON (Frankreich)
Besatzung: Sidonie OHLMANN (Frankreich)
Startort: Chos Malal (Argentinien)

 

Damen Geschwindigkeitsrekorde

Geschwindigkeit über 100 km Dreieckstrecke: 227.8 km/h
Datum des Flugs: 22. 11. 2005
Pilotin: Ghislaine FACON (Frankreich)
Besatzung: Sidonie OHLMANN (Frankreich)
Startort: Chos Malal (Argentinien)

 

Damen Höhenrekorde

Höhengewinn: 10'212 m
Datum des Fluges: 12. 1. 1988
Pilotin: Yvonne Margaret LOADER (Neuseeland)
Startort: Omarama (Neuseeland)

Absolute Höhe: 12'637 m
Datum des Fluges: 14. 2. 1979
Pilotin: Sabrina JACKINTELL (USA)
Startort: Black Forest Gliderport, Colorado Springs, CO (USA)

 

36. Was für Schweizer Segelflugrekorde gibt es?

Die Schweizerrekorde sind in zwei Kategorien (Schweizer Segelflugrekorde und Schweizer Segelflug-Inlandrekorde) mit je zwei Unterkategorien aufgeteilt (Kategorien generelle Rekorde und Damenrekorde). Neu wird auch in der Schweiz (wie international) aufgeteilt in Flugzeuge mit 15 Meter Spannweite und Flugzeuge grösser als 15 Meter Spannweite.
(Stand 10.10.03)

 

Schweizer Segelflugrekorde

Generell

Tabelle

 

Damen

Tabelle

 

Impressum

Redaktion: S. Hoffmann und S. Marschall mit E. Affolter, E. Inäbnit und weiteren geduldigen Helfern und Beratern.

Durchgesehen von Ch. Schläppi, Januar 2010